Aliens am Telefon: Wer geht dran?

Aliens am Telefon: Wer geht dran?

Sollte außerirdische Intelligenz eines Tages tatsächlich einen „Anruf“ zur Erde durchstellen, stellt sich zunächst eine erstaunlich irdische Frage: Wer hebt ab – und nach welchem Drehbuch?

Tatsächlich existieren Entwürfe für ein solches Protokoll, allerdings eher als freiwillige Selbstverpflichtung der Forschung denn als harte UNO-Vorschrift. Die Menschheit besitzt also ein Merkblatt, aber keinen echten Notausgangsplan.

Wissenschaftliche Spielregeln statt Weltregierung

Der Bereich „Search for Extraterrestrial Intelligence“ (SETI) beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Frage, wie auf ein glaubwürdiges Signal reagiert werden soll. 1989 verabschiedete die Internationale Akademie für Astronautik (IAA) eine „Declaration of Principles Concerning Activities Following the Detection of Extraterrestrial Intelligence“, später überarbeitet. Darin wird festgehalten, dass ein vermeintliches Signal zunächst mit allen verfügbaren Mitteln überprüft werden soll, bevor Weltuntergangs- oder Jubelmeldungen die Runde machen.

Vorgesehen ist eine Art wissenschaftlicher TÜV: andere Teleskope, unabhängige Teams, zusätzliche Messreihen. In der Geschichte von SETI gab es mehrere Fehlalarme, bei denen sich angebliche „Alien-Signale“ als Radarstörungen, Satelliten oder schlicht als Mikrowelle in der Kantine entpuppten. Ein gesundes Misstrauen gilt daher als Pflicht, bevor „Erstkontakt“ in Großbuchstaben auf Titelseiten landet.

Erst prüfen, dann reden – international

Sobald die Fachwelt sich einig wäre, dass es sich tatsächlich um ein Signal außerirdischer Intelligenz handelt, sollen laut IAA-Protokoll internationale Stellen informiert werden: andere Observatorien, wissenschaftliche Organisationen und schließlich die Vereinten Nationen. Die Rohdaten sollen der weltweiten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit unabhängig nachgerechnet werden kann.

Heikel wird es bei der Frage, wer antwortet. Die Protokolle sehen vor, dass keine einzelne Institution im Alleingang „zurückruft“. Weder ein Staat noch ein privater Raumfahrtkonzern soll spontan eine „Sprachmemo an die Galaxis“ schicken. Geplant ist, dass mögliche Antwortbotschaften erst nach internationaler Beratung und möglichst im Rahmen der UNO beschlossen werden. Ob sich alle daran halten würden, ist eine andere Frage – das Protokoll ist rechtlich nicht bindend.

UNO-Weltraumrecht ohne Alien-Paragraf

Rechtlich stützt sich der Umgang mit möglichem Erstkontakt auf bestehende Weltraumverträge. Der Weltraumvertrag der Vereinten Nationen von 1967 verpflichtet Staaten, „im Interesse der gesamten Menschheit“ zu handeln und bei Aktivitäten im All Rücksicht auf andere zu nehmen. Auf ein Signal außerirdischer Intelligenz lässt sich dieses Prinzip sinngemäß anwenden; einen eigenen Alien-Paragrafen gibt es jedoch nicht.

Darum arbeiten verschiedene Gruppen an neuen Vorschlägen. An der Universität St Andrews in Schottland etwa untersucht ein „SETI Post-Detection Hub“, welche Folgen ein bestätigter Erstkontakt für Politik, Medien, Wirtschaft, Religion und Alltag hätte. Dort arbeiten Natur-, Sozial- und Rechtswissenschaft gemeinsam daran, den möglichen Ausnahmezustand wenigstens theoretisch zu sortieren, bevor er eintritt.

Realistische Szenarien: eher Rauschen als Raumschiff

Die meisten Forschenden gehen davon aus, dass ein möglicher Erstkontakt zunächst unspektakulär aussehen würde: kein Landemanöver auf dem Schulhof, sondern ein schwaches, weit entferntes Funksignal, vielleicht eine regelmäßige Folge von Impulsen aus einem anderen Sternsystem. Ein solches Signal wäre eher eine kosmische Fußnote – „Übrigens, wir existieren“ – als eine sofortige Einladung zu Technologie-Tausch und interstellarem Schüleraustausch.

Gerade deshalb legen SETI-Protokolle so viel Wert auf offene Daten und langsame, überprüfbare Schritte. Hektische Antworten könnten mehr über die politischen Spannungen auf der Erde verraten als über die Kultur im fremden Sternsystem. Im besten Fall würde ein gemeinsamer Umgang mit dem Signal erzwingen, dass große Rivalen auf dem Heimatplaneten erstmals miteinander kooperieren – zumindest für ein einziges Telefonat.

Kurzinfo

  • Freiwillige Protokolle der SETI-Community sehen nach einem möglichen Signal strenge Überprüfung und internationale Information vor.
  • Eine Antwort ins All soll erst nach globaler Beratung erfolgen; rechtlich verbindliche UNO-Regeln für den Erstkontakt existieren bislang nicht.
  • Realistische Szenarien rechnen mit einem schwachen Funksignal statt mit einer Landung im Vorgarten – mit Potenzial für Aufregung, aber auch für Zusammenarbeit.